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1.1.7 Authentifizierungsansätze des
Stars
Die Authentizität seiner Lieder versucht Jürgens immer wieder mit
erlebten Geschichten und mit der Analysierung der eigenen
Gefühlswelt zu bekräftigen (wobei dies nicht abgestritten werden
soll und kann!). (vgl. Jürgens 1994, S.218)
Udo Jürgens Lieder sind in gewisser Weise kritisch und nachdenklich,
beschäftigen sich mit aktuellen Themen der Zeit, verklären mitunter
auch das Heute und schielen auf eine bessere Zukunft. Durch seine
vermeintlichen Aussagen über Einstellungen zur Realität versucht er
seine Texte sogleich zu authentifizieren:
„Meine Lieder haben öfter mal autobiographische Züge. Das ist nicht
Eitelkeit, sondern eher Selbstschutz und der Wunsch, durch meine
Lieder mit meinen Ängsten und mit meinem Glück fertigzuwerden.“
(ebd., S. 259)
Und wenn Jürgens singt, daß er ein Bote aus besseren Zeiten (vgl. CD
„Ich werde da sein“ 1999) sei, so wird auch unter Einbezug des
vorherigen die Aufgabe deutlich, die sich der Künstler mit seinem
Werk auferlegt hat:
„Wieder ein Terroranschlag gegen Ausländer in Deutschland, in
Österreich, in der Schweiz; wieder Bilder, die man nie und nimmer
drucken kann, so menschenverachtend sind sie. Und immer wieder
diskutieren wir, was wir machen können, könnten, sollten, müßten, um
unseren Beitrag zu leisten, die Welt ein bißchen menschlicher zu
gestalten.“ (ebd., S.240)
Udo Jürgens träumt davon, etwas verändern zu können und fühlt sich
aus seiner Position heraus auch dazu verpflichtet:
„Ich habe die permanente Sehnsucht, daß die Menschen sich über die
Grenzen hinweg die Hände reichen könnten. Aus dieser Einstellung
heraus bin ich noch heute Musiker. Auch heute habe ich viele Ziele
vor mir. Nicht aus Habgier und kommerziellen Überlegungen, sondern
aus dem Wunsch heraus, Dinge mitteilen zu können, die ich – und ich
glaube, da stehe ich nicht allein – empfinde. Der Augenblick, in dem
man glaubt, man habe alles erreicht, ist der Augenblick, in dem man
abtreten sollte. Wenn die Neugierde aufhört, das persönliche
Engagement an der Zeit, in der man lebt, und für die Menschen, mit
denen man lebt – dann habe ich volles Verständnis dafür, daß sich
einer zurückzieht und das Leben nur mehr von ferne an sich
vorbeiziehen läßt. Aber dieses Gefühl habe ich im Augenblick noch
nicht. Das entscheidende im Leben ist, daß, egal auf welchem Platz
wir stehen, was wir tun und wofür wir ein gewisses Talent haben, daß
wir es mit Verve, mit Groove, mit Engagement, mit Freude und Lust
tun.“ (ebd., S.260)
Das Wesen des Künstlers Udo Jürgens versuchen nicht zuletzt auch die
Plattencover einzufangen. In den allermeisten Fällen ist das
Konterfei des Sängers zu sehen, der entweder direkt in die Kamera
(und somit in die Augen des Betrachters) oder zur Seite schaut, mal
leger, mal festlich gekleidet. Die bildliche Präsentation bekräftigt
das Image des nachdenklichen und konzentrierten Sängers, der trotz
seines Erfolges natürlich und lässig geblieben ist. Die Photos
erwecken den Eindruck eines ‚Kumpels von nebenan‘, den man womöglich
selbst in einem günstigen Augenblick mit der Kamera hätte aufnehmen
können:
Jene Strategie wird allerdings durch eine leicht zu übersehende
Tatsache geschwächt:
„Seit ich Lieder schreibe, bin ich nicht nur auf meine Ideen als
Komponist und auch als Texter angewiesen, sondern vor allem auch auf
die Kreativität, das Denken und fühlen, die Euphorie und die
Einsamkeit meiner Autoren.“ (Jürgens 1994, S.254)
Jürgens - das muß man wissen - schreibt den Großteil seiner
Liedtexte nicht selber, wenngleich er vermutlich die Ideen zu den
Inhalten liefert. Insofern ist die Authentizifierungsstrategie und
Glaubhaftigkeit des Stars fragwürdig. Wichtiger in diesem
Zusammenhang und für die Fragestellung dieser Arbeit ist jedoch die
Adaption durch die Fans.
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